Gleitsichtbrille: Was steht bei der Ferne auf deinem Brillenrezept?

Frau mit Brille

Zwei Frauen brauchten Unterstützung beim Sehen in der Nähe. Beide entschieden sich für eine Gleitsichtbrille. Ein Jahr später sah die eine ohne Brille in keine Distanz mehr richtig scharf. Die andere sah in die Ferne so gut wie zuvor.

Auf ihren Brillenrezepten gab es einen kleinen, aber wichtigen Unterschied: den Wert für die Ferne. Genau dort lohnt es sich, hinzuschauen.

Das Wichtigste

  • Bei einer Gleitsichtbrille können Ferne und Nähe unterschiedlich korrigiert werden.
  • Eine kleine Fernkorrektur ist eine gute Gelegenheit, nach ihrem Zweck zu fragen.
  • Wenn du kurzsichtig bist, lohnt sich auch ein genauer Blick auf die Nahkorrektur.

Was korrigiert eine Gleitsichtbrille?

Eine Gleitsichtbrille vereint Korrekturen für verschiedene Entfernungen in einem Glas. Oben befindet sich der Bereich für die Ferne, unten der Bereich für die Nähe. Dazwischen liegt ein gleitender Übergang, etwa für den Bildschirm, das Armaturenbrett oder ein Regal im Laden. Einen sichtbaren Trennstrich gibt es nicht.

Das ist praktisch: Eine Brille kann mehrere Distanzen abdecken. Es bedeutet aber auch, dass du auf deinem Brillenrezept nicht nur einen einzigen Wert findest. Für die verschiedenen Bereiche stehen unterschiedliche Angaben. Besonders interessant ist die Frage, ob du im oberen Bereich überhaupt eine Fernkorrektur brauchst.

Zwei Frauen, zwei unterschiedliche Werte für die Ferne

Beide Frauen hatten lange gut in die Ferne gesehen. Anstrengend wurde mit den Jahren vor allem das Sehen in der Nähe, wie es bei Altersweitsichtigkeit häufig der Fall ist. Eine Gleitsichtbrille schien für beide naheliegend. Trotzdem fiel die Entscheidung der Fachperson für den Fernbereich ihrer Gläser unterschiedlich aus.

Die Ferne blieb ohne Korrektur

Bei der ersten Frau wurde für die Ferne bewusst kein Korrekturwert eingetragen. Der obere Bereich ihrer Brille korrigierte ihre Fernsicht also nicht. Die Unterstützung sass dort, wo sie sie brauchte: beim Sehen in der Nähe.

In die Ferne sah sie weiterhin mit ihren eigenen Augen scharf. Die Brille nahm ihr diese Aufgabe nicht ab.

Auch die Ferne bekam eine kleine Korrektur

Die zweite Frau war stolz darauf, in der Ferne gut zu sehen. Ihr Problem lag ebenfalls in der Nähe. Trotzdem erhielt der obere Bereich ihrer Gleitsichtbrille eine geringe Fernkorrektur.

Ein Jahr später konnte sie ohne Brille in keiner Distanz mehr richtig scharf sehen. Das war für sie einschneidend. Aus dieser Erfahrung allein lässt sich nicht ableiten, weshalb sich ihr Sehen verändert hat. Sie zeigt aber, wie unterschiedlich zwei Brillenversorgungen aussehen können, obwohl die Ausgangslage auf den ersten Blick ähnlich wirkt.

Mehr Korrektur ist nicht automatisch die bessere Entscheidung

Es geht nicht darum, Gleitsichtbrillen pauschal gut oder schlecht zu finden. Und es geht auch nicht darum, einen gemessenen Wert auf eigene Faust aus dem Rezept zu streichen. Die entscheidende Frage lautet: Was korrigiert meine Brille in welcher Entfernung, und weshalb?

Wir vertrauen beim Brillenkauf zu Recht auf Fachleute. Trotzdem dürfen wir unser eigenes Rezept verstehen. Gerade wenn du bisher in einer Entfernung gut ohne Brille zurechtgekommen bist, lohnt es sich nachzufragen, warum dort nun eine Korrektur vorgesehen ist. Du darfst wissen, welche Unterstützung deine Brille dir gibt und wo deine Augen bisher selbst gut sehen konnten.

Wenn du kurzsichtig bist, schau auch auf die Nähe

Vielleicht brauchst du die Korrektur im oberen Glasbereich unbedingt, weil du ohne sie in der Ferne nicht scharf siehst. Dann liegt die interessante Frage möglicherweise weiter unten.

Wer kurzsichtig ist, kann in der Nähe ohne Brille oft noch gut sehen. Wenn das bei dir so ist, lass dir erklären, was der Nahbereich deiner Gleitsichtbrille korrigiert und wie dieser Wert zu deinem Sehen ohne Brille passt. Es geht nicht darum, dass alle kurzsichtigen Menschen denselben Wert brauchen. Es geht darum, deine eigenen Werte nachvollziehen zu können.

Hol deinen Brillenzettel hervor

Schau dir an, welche Werte für die Ferne und die Nähe auf deinem Rezept stehen.
Wenn du grundsätzlich dein Rezept besser lesen und verstehen können möchtest, fordere hier mein Dokument an, das dir die Begriffe erklärt. Bei Bedarf, nimm mit mir Kontakt auf.

Wenn dir eine Angabe weiterhin unklar ist, frag bei der Fachperson nach, die deine Brille angepasst hat:

  • Welcher Bereich des Glases korrigiert welche Entfernung?
  • Was bedeutet der jeweilige Wert für mein Sehen ohne Brille?
  • Warum ist diese Korrektur in genau diesem Bereich vorgesehen?

Deine Brille soll dich beim Sehen unterstützen, gern nur so viel wie nötig. Umso besser, wenn dir auch ihre Werte vertraut sind und du bei Entscheidungen über deine Augen mitreden kannst.

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